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Thema: Der Diskus ist tot - es lebe der Diskus  (Gelesen 16487 mal)

Offline Ditmar

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Re: Der Diskus ist tot - es lebe der Diskus
« Antwort #15 am: 15-02-2012, 15:11:55 »
Hallo Olli  :wink:

Ich kann besser muss deinem ersten Bericht voll zustimmen. :supi:

In einer Zeit wo jedes zweite Wort sich um sparen von Rohstoffen und Energie dreht sehen wir mit unseren Bütten eher schlecht aus.
500.-€ Stromkosten pro Jahr und 30%-50% Wasserwechsel pro Woche von Osmose will ich gar nicht reden treibt manchem das Planke entsetzen ins Gesicht.

Daher rührt auch der von dir genannte Trend in kleine bis kleinste Becken her.
Mikro bzw. Nanobecken beruhigt halt die Gemüter um trotzdem etwas Natur ins Wohnzimmer zu bringen.
Wie schon gesagt mit offenem Mund stehen sie vor dem Becken und ein Loblied folgt dem anderen bis man erklärt welchen Aufwand man betreibt.
Schlagartig wechselt die Stimmung und nur aus Höflichkeit fällt dann nicht der Satz.
Dieser Umweltsünder in Afrika verdursten tausende Jährlich und der schüttet tausende von Liter bestes Wasser einfach ins Klo……
Ich dem gesundschrumpfen eher gelassen entgegen.
Im übrigen bin der Meinung das nur der Diskus halten sollte der es sich auch leisten kann.
Dies sollte er allerdings vorher wissen und nicht seine Finanziellen Nöte am Tier auslassen.

Was die Toleranz hier angeht ist auch das der Grund warum ich mich hier sehr wohl fühle.
Im ganz großen Forum bin ich schon ein Jahr länger drin als hier mit ca. 70 Wortmeldungen hier mit einem Jahr Verspätung und knapp 3000 Wortmeldungen.
Das muss doch einen Grund haben.
Meine manchmal mit etwas zugegebener spitzen Feder geschriebene Vorliebe zu Purismus wird mir hier nicht vorgeworfen.
Vielleicht auch weil ich unverhohlen das können von unseren drei grünen nicht nur akzeptiere sondern genauso deutlich und offen bewundere.

Habe fertig
Gruß Ditmar
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Offline MikeSt

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Re: Der Diskus ist tot - es lebe der Diskus
« Antwort #16 am: 15-02-2012, 20:47:19 »
Nun, mich gänzlich vom Diskus lossagen, wird mir sicher nicht gelingen. Sonst würde ich hier nicht immer mal wieder reinschauen. Mein eigentlicher Luxus ist mein eigener Keller mit 35 qm. Frauenfreie Zone :hurra:
Platz ist da sicher. Aber derzeit widme ich mich anderen Herausforderungen.

@Olli

"Pfalz" du es noch nicht kennst....

http://www.aquarium-guide.de/perlhuhnbaerbling_video.htm

Und die Burschen in einem flowgrow- Becken....
 

Offline Diskus&Koi Heribert

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Re: Der Diskus ist tot - es lebe der Diskus
« Antwort #17 am: 15-02-2012, 21:45:37 »
Hallo, :wink: :wink:

mit Sicherheit ein bewegendes Thema. :super:
Dieses Forum ist durchaus als Oase in der Forenlandschaft zu sehen und damit auch etwas einzigartig.
Das haben wir vor allem @Norbert zu verdanken, aber wem erzähle ich das? :super: :weiterso:

Der Diskus ist nach wie vor "der König" unter den Aquarienfischen und für mich gibt es nichts schöneres, als ein brutpflegendes harmonierendes Zuchtpaar zu beobachten.

Ich selber würde mich als Fischverrückter bezeichnen. :laugh2: Bei den Koiliebhaber gibt es sogar eine speziellen Ausdruck dafür (Koi-Kitschi). Neben den Diskus, habe ich auch etliche andere Zierfischarten gehalten und erfolgreich vermehrt.
Mit 9Jahren erwarb ich das erste Aquarium und hatte das Glück "in einem Wald" aufzuwachsen, wodurch ich die Natur leibhaftig erleben dürfte. So was prägt einen fürs ganze leben und man ist für eine natürliche Entwicklung und Sichtweise wesentlich sensibler, als wie es so manch Großstädter je begreifen kann. Wenn ich heute die alte Heimat besuche, wird mir immer ganz wehmütig. Thema Waldsterben! Als Kind / Jugendlicher bin ich noch durchs dichte Unterholz gestöbert und ab zum nächsten Baggerloch. Heute stehen da nur noch nackte Bäume   :mist: und das Baggerloch (wegen Senkung des Grundwasserspiegels) nur noch eine verkommene eingezäunte Pfütze. :mecker:

Was ich eigentlich damit vermitteln möchte, dass der Fisch nur das ist, was wir letztendlich daraus machen.

Gerade der Diskus und der Koi haben da vieles gemeinsam.
Der Koi symbolisiert in Japan unter anderem Glück und Reichtum und so ähnlich verhält es sich auch mit dem Diskusfisch. Es ranken sich auch viele Mythen um diese Fische: teuer und kaum bezahlbar, eben auch schwer zu halten usw. Genau deshalb wurden diese Fische (in den 80gern und 90gern Jahren) zum profitablen Wirtschaftszweig. Geld wahr ja da und Energiekrise eher ein Fremdwort.  :unbelivable: Zu dieser Zeit habe ich noch für ein Diskus-Zuchtpaar bis zu 2000,00DM bekommen, was heute kaum mehr vorstellbar ist. Bis Dato wahr das Halten und dessen Vermehrung tatsächlich ein eher schwieriges Unterfangen, so musste das Zuchtwasser über Ionenaustauscher mühsam aufbereitet werden. 
Über die Vorraussetzung (einer erfolgreichen Zucht) wurde ein großes Geheimnis gemacht und vieles klappte erst nach langem Probieren.

Durch die Einführung von Osmoseanlagen und die verstärkte Verbreitung "durch Fachliteratur"  so wie diverser Ausstellungen, wurde der Diskus schnell zum Massenprodukt. Dank Osmosegerätschaften wahr das halten und vermehren (nicht nur von Diskusfischen) geradezu ein Kinderspiel und damit sank auch gleichsam die Qualität - und der Preis.
Der Verfall wurde noch durch den günstigen Import (von Wildfängen) verschärft und zur guter Letzt tauchten nach einer Weile herrliche bonbonfarbene Diskusfische aus dem asiatischen Raum auf. Ähnliches konnte man auch in der Koi-Zehne beobachten, so wurde der Markt mit bezahlbaren Nachzuchten förmlich überschwemmt und im jeden Ökoteich schwammen auf einmal Koi`s. Das Sortiment wurde in den Baumärkten und Discountmärkten ruck zuck erweitert. Ob nützlich, oder unnütze, spielte auch keine große Rolle mehr und es stand nur noch der Umsatz im Vordergrund - last but not least! Masse statt Klasse.

Als nächstes bekam die Branche einen gewaltigen Dämpfer, ich erinnere da nur an die bakterielle Unverträglichkeit und der großen Verwirrung (Frischwasseralergie!) oder doch Diskusseuche? Bei den Koi tauchte auf einmal der Koi Herpes Virus (KHV) auf und die Symptome ähnlich wie wir diese aus Diskusberichten her kennen, die Krankheitserreger haben aber keinen gleichen Nenner.


Als dann der Kinofilm "Findet Nemo" kam, wurde ein erneuter Aquaristikbum ausgelöst und ich fand es eher als Fluch für die geschundene Kreatur - was sich auch später bestätigen sollte. Der Rang auf die gläsernen Konstruktionen ging los und ob alles seine Richtigkeit hatte geriet erst einmal in den Hintergrund - Hauptsache Nemo-Träume! Es war schon erstaunlich, wie schnell die Industrie sich darauf einstellte. Da Nemo ein kleiner Fisch wahr wurden sofort handliche kleine Aquarien angeboten und es entstand die Nanoaquaristik. Gleichsam bauten die Aquarienläden ihre Verkaufsanlagen um. Wo früher große Verkaufsbecken standen, gab es auf einmal regelrechte  Platz sparende und fasst schon schuhkartonartig Glasregale, in dem die Fische auf den Käufer warteten – falls diese es überhaupt schadlos überlebten.

Und die heutige Quinterzens: Fische werden krank, weil solche Behältnisse nicht den tatsächlichen Anforderungen entsprechen und Quarantäneanlagen sucht man vergeblich.
Auf etlichen Plattformen werden Aquarienanlagen (mit samt Insassen) für einen Bruchteil der Anschaffungskosten regelrecht verramscht.

Das es so nicht weitergeht haben viele Zoomärkte / Zierfischzüchter zwangsweise begreifen müssen und so landet eine Verkaufsanlage in der Bucht, oder gleich auf den Müll.

Der Zierfischhandel ist (bis auf wenige Ausnahmen) nur noch ein Zubrotgeschäft und die Gewinne werden eigentlich nur durch den Zubehör erwirtschaftet. Gut geschultes Personal findet man auch immer seltener, denn der kostet nun mal und ist kaum noch gefragt. Geschweige! Welches Unternehmen kann sich dass den noch leisten.
Im Zeitalter wo Billig vor Qualität steht, sehe ich eher Kritisch in die Zukunft.

Es ist aber nicht alles so düster, wie die vorherige Aneinanderreihung es vielleicht suggeriert. Siehe Japan! Dort werden immer noch 5stelige Eurosummen für einen Fisch bezahlt. Das geschieht einfach durch die Auslese und einen ähnlichen Trend dürften wir bei dem Diskusfisch (in Zukunft) auch beobachten können.
Setzt aber große Becken voraus, naturnahes Futter und natürlich das richtige Wasser -"Fischverhältnis". Nicht zu vergessen, dass notwendige Fachwissen.

In der Zukunft werden wir bestimmt etwas neue Wege einschreiten müssen, um bei der Aquaristik / Diskusfischhaltung überhaupt noch was abgewinnen zu können.

Erste Ansätze sind durchaus in diesem Forum zu erkenne und das Aquascaping bringt sicherlich neue Impulse, ähnlich wie früher die so genannten Hollandaquarien / Plantaquarien. Durch neue Filtertechniken und Dosiersysteme, welche die Aufrechterhaltung solcher Aquarienbiotope ermöglichen und auch gleichsam vereinfachen wird, das dürfte die Zukunft sein.

Wir sollten uns so langsam von den nackten Glaskästen verabschieden und lieber ein ausgereiftes Stück Natur integrieren. Und den Insassen das Leben lebenswert gestalten, ansonsten können wir uns mit den Käfighaltern auf eine Stufe stellen. In der Zucht werden wir wohl weiterhin auch Abstriche machen müssen, damit ist aber lediglich die Beckeneinrichtung mit gemeint.

Bei all den bisherigen  Beiträgen "zum Thema" , ist mir besonders dieser Zweizeiler aufgefallen:
Zitat
Im übrigen bin der Meinung das nur der Diskus halten sollte der es sich auch leisten kann.
Dies sollte er allerdings vorher wissen und nicht seine Finanziellen Nöte am Tier auslassen.


Grüße Heribert


Ups! Sehe zufällig: Beiträge: 444 :pfeifend:
« Letzte Änderung: 15-02-2012, 21:54:51 von Diskus&Koi Heribert »
Grüße Heribert

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Olli

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Re: Der Diskus ist tot - es lebe der Diskus
« Antwort #18 am: 16-02-2012, 12:36:08 »
Hey Heribert,

auf diesem Forum geht so schnell nichts unter und würde der Dankes-Button schon funktionieren hätte ich soeben gedrückt ;P
Ich denke hier ist jeder froh darüber, dass erfahrene Member wie Du hier ihr Wissen mit uns teilen!

LG
Olli
 

Offline Ditmar

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Re: Der Diskus ist tot - es lebe der Diskus
« Antwort #19 am: 16-02-2012, 14:18:38 »
Hallo Heribert  :wink:

Kann Olli nur zustimmen und was könnte ich dazu noch da zu sagen außer Danke. :flower:
Gruß Ditmar
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Offline Hobby

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Re: Der Diskus ist tot - es lebe der Diskus
« Antwort #20 am: 16-02-2012, 14:47:57 »
Hallo  :wink:

auch ich meine, dass dieses Forum, getragen von viel Enthusiasmus und Herzblut, noch eine lange Lebenszeit haben wird.
Der herzliche und offene Umgang sowie die aufrichtige Unterstützung bei Fragen und Probleme sind ein wesentliches Merkmal des
Miteinander im Forum und deshalb auch an dieser Stelle einmal ein Dank an alle Forenmitglieder.

Über den Fortbestand der Diskushaltung mache ich mir keine Sorgen, nur wird er, wie von vielen bereits beschrieben, wieder auf das Maß der 70/80 Jahre auf Grund der
ökonomischen Zwänge zurückfahren.
Damals war der Diskus kaum erschwinglich und heute werden es die Folgekosten.
Deshalb wird er zunehmend wieder von wahren Liebhabern und Enthusiasten gehalten werden.


Offline Diskus&Koi Heribert

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Re: Der Diskus ist tot - es lebe der Diskus
« Antwort #21 am: 17-02-2012, 18:56:52 »
Hallo Olli und Ditmar, :wink: :wink:

dass geht ja runter wie Honig und besten Dank für euren Zuspruch. :verlegen:
Eigentlich ist es ja nur ein Abriss aus der Vergangenheit und es sprudelte einfach nur so raus. :sweet:
Aber gerade die letzten Tagen, mit den Neuanmeldungen und all die neuen riesigen Badewannenvorstellungen  und all der Planung :pfeifend:- einfach nur überwältigend! :O:  :optimist:
Genau so könnte es sich "weiter"  entwickeln und der Diskus  seinen Ruf (als Royal) wider gerecht werden.

Das Diskushobby bekommt so die neuen Anreize / Impulse, welche es dringend braucht und eigentlich schon längst überfällig ist.
Der Diskus ist kein Fisch für ein 200 Liter Becken, er benötigt einfach große Behältnisse, um sich überhaupt entfalten zu können. Vor allem kommt es dem "Lebewesen Diskusfisch" entgegen, was wir nie vergessen dürfen.


Grüße Heribert

PS, Vielleicht kann Nobby es einrichten, dass die "Aktuelle Threads" (in der Übersicht) auf 20 erweitert werden. :zwinker: :-!-:
Grüße Heribert

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Offline Norbert Koch

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Der Diskus ist tot - es lebe der Diskus
« Antwort #22 am: 17-02-2012, 19:00:20 »
Hallo Heribert,

der Nobby kann's richten. Ich muss nur noch mal schnell zum Baumarkt...
Freundliche Grüße aus Bad Aibling

Norbert (Freunde nennen mich Nobby)
Internet: https://nobby-ka.de (schon sehr bald auch mit einem Aquaristik-Bereich)

Beim Betrachten der Natur werden Gefühle geboren... | Japanische Weisheit

Es gibt für alles eine logische Erklärung - man muss nur lange genug danach suchen!
 

Offline Ditmar

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Re: Der Diskus ist tot - es lebe der Diskus
« Antwort #23 am: 17-02-2012, 20:20:11 »
Hallo Heribert  :wink:

Auch das ist eine Stärke dieses Forums das überproportional viele solcher richtig guter Artikel geschrieben werden und damit die Qualität des Forum entscheidend anhebt.

Dies merken auch die vielen Gäste das hier nicht nur zum Ehrentag gratuliert wird.
Auch viele können auch mal über sich selber lachen was manche Diskussion einfacher gestaltet.
Keiner braucht Angst zu haben über den Tisch gezogen zu werden oder schlimmer als Idiot dazu stehen.

All dies hilft uns unser Hobby die Haltung des König des Süßwassers mit Stolz und Spaß noch viele Jahre ausüben zu dürfen.
Gruß Ditmar
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Offline MikeSt

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Re: Der Diskus ist tot - es lebe der Diskus
« Antwort #24 am: 17-02-2012, 20:23:11 »
Habe gerade etwas Zeit. Und Inspiriert von Heriberts Ausführungen, in denen ich mich sehr stark wiederfinde, , für alle, die noch etwas aus der Vergangenheit lesen möchten, vielleicht eine nette Geschichte und zugleich eine weitere Erklärung, warum das Image des Diskus so gelitten hat.

Es war so um 2000 oder 2002. Das Diskuschampionat kündigte die Vorstellung der Red Leos an, welche die meisten nur von Fotos her kannten. Ich rief einen befreundeten Züchter an um ihn zu fragen, ob er mitkäme. Seine Antwort:“ Komma vorbei!“
Ich kam vorbei. Und meine Kinnlade fiel schlagartig Richtung Boden. Die Red Leos waren zu dieser Zeit in Deutschland nur in einer 5er Größe und nur mit Beziehungen zu bekommen, wobei der europäische Marktpreis in dieser Größe um die 200-300 US- Dollar betrug. Wohlgemerkt max. 5er Größe.
Und dieser Höllenhund hatte 4 Zuchtpaare!!
Nun war mein damaliger Kumpel jemand, der u .a. auch von  Legenden wie Shifulla Yeng Besuch bekam. Also jemand, der durchaus Beziehung hatte.
Einige Tage später waren es nur noch 3. Ich kürze mal ab: ein Düsseldorfer Geschäftsmann, ein Kunde, hatte sich in eines der unverkäuflichen Paare verliebt. Auf Nachfrage hinsichtlich des Preises gab mein Kumpel damals einen nicht ernstgemeinten Fantasiepreis an, der die Unverkäuflichkeit unterstreichen sollte. Die  Frage auf die Antwort war: „Wo ist die nächste Deutsche Bank?“
Ein Düsseldorfer Geschäftsmann war nun Besitzer eines der ersten adulten Paare in Deutschland. Und 20.000 Mark ärmer….kein Scherz

Die Zucht aber klappte nicht und so bat er mich, eines der Paare mitzunehmen. Auf der Fahrt nach Hause hatte ich Herzklopfen. Die Tüte neben mir war verdammt viel Wert.
14 Tage später hatte ich unzählige Eier am Kegel. Ich nahm mir Urlaub. War  zu nervös, um zu arbeiten. Meine, gemessen an heute, rudimentäre Digitalkamera sagte mir, dass wenige Stunden vor dem Schlupf die Befruchtungsrate bei etwas unter 200 Eiern lag! Und sie schlüpften! Alle!!
Ein paar Tage waren alle tot. Die Eltern zeigten ein nie zuvor beobachtetes Desinteresse. Alle Paare zeigten dies.

Was will ich damit sagen? Es gab eine kurze Zeit, wo so unglaublich viel Geld mit Diskusfischen gemacht werden konnte, dass beinah jede Skrupel beiseite gelegt wurde. Ich war und bin ein Freund der Rottürkisen. Ich hatte beinahe keine Chance mehr, Abnehmer für meine Tiere zu bekommen. Der Markt wurde plötzlich überschwemmt von den tollsten Farbschlägen. Golden Sunrise, Marlboros usw. 

Zeitgleich aber alle Probleme. Seuchen, Verhaltensauffälligkeiten usw.

Die Deutschen hatten  mit die beste Diskusszene der Welt. Die Asiaten haben hier Unmengen an Nachzuchten erworben. Meint hier jemand, dass nicht versucht wurde, hier durch züchterische Selektion Farbschläge zu verbessern? Neue zu erhalten? Und plötzlich kommen Asiaten und werfen fast wöchentlich neue Farbschläge auf den Markt? Durch züchterische Fähigkeit? Durch Selektion?

Oder durch -wie die Scheißhausparolen es schon recht früh verbreiteten- Hormonbehandlungen? Medikamentenmissbrauch?
Weitere Stimmen die damals davon sprachen, mittels Röntgenbestrahlung die Keimdrüsen zu schädigen, um möglichst lange Nachzuchten in Europa und Amerika zu verhindern. Und noch viele andere Dinge.

Man stelle sich vor, ich hätte diese Jungen durchbekommen….

Der Hype, der entstand, war beinahe ausnahmslos von Raffgier geprägt. Ich habe meine Schuldigen gefunden. Die Asiaten. Wobei ich mir die Aussage des Bibelspruchs: Wer frei von Sünden ist, werfe den ersten Stein“, durchaus bewusst bin.

Zurück zu dem, was mich einst begeisterte. Das Erfreuen an einem eingerichteten Becken mit Zierfischen. Frei von jeglichen Gedanken gewinnbringender Vermehrung. Jungfische, um sich an deren Anblick zu erfreuen.

In diesem Sinne…
 

Offline Robert B

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Re: Der Diskus ist tot - es lebe der Diskus
« Antwort #25 am: 17-02-2012, 20:37:36 »
Hallo Mike,

ich kann das Gejammer von einigen Züchtern oder Ex-Züchtern und das schimpfen auf die achso bösen Asiaten nicht mehr hören. Entweder es ist mein Hobby oder ich will damit Geld verdienen. Oder vielleicht doch beides?

Ich habe als Hobbyist schon viele Fische gezüchtet und oft verschenkt oder für kleines Geld abgegeben. Wo ist denn da das Problem? Hobbies kosten nun mal Geld, das ist bei allen Hobbies so.

Den oft beschworenen Qualitätsrückgang kann ich auch nicht sehen. In der breiten Masse vielleicht schon. Aber es gibt IMO heute immer noch viele erstklassige Diskus von kleinen Privatzüchtern. Und auch früher war nicht alles Gold.

Wenn du dich wirklich noch für Diskus begeistert, was hält dich denn davon ab, dir die Fische zu holen, die dir gefallen und wenn du das möchtest damit ganz von vorne eine neue Zucht (z.B. auf WF-Basis) aufzubauen?
Du kannst das doch nur für den Eigenbedarf machen und wenn du ein paar schöne Diskus überhast bekommst du die auch bestimmt zum Selbstkostenpreis verkauft.

Nur das ganz große Geld kann man im Moment damit nicht mehr so leicht machen.

Gruß,
Robert
 

Offline der schwabe

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Re: Der Diskus ist tot - es lebe der Diskus
« Antwort #26 am: 17-02-2012, 20:50:04 »
Hallo Mike und natürlich auch an alle anderen die sich hier beteiligen,
solche Beiträge sind für mich als  neuling sehr interessant und informativ.
Denn so erfahren auch diejenigen die noch nicht solange dabei sind ein wenig mehr über die `Geschichte´ der Tiere.

schönen abend noch  Thomas
Gruß Thomas
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Olli

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Re: Der Diskus ist tot - es lebe der Diskus
« Antwort #27 am: 17-02-2012, 20:55:10 »
Danke Mike, habe mich gerade bestens amüsiert ;P

Ich kenne diese Zeit nur aus der Distanz heraus, da mir damals die Tiere bzw. entsprechende Hardware wie Osmose, grosses Becken, etc. zu kostspielig waren.

Dein geschildertes Szenario wiederholt sich übrigens gerade: In der Garnelen-Hochzucht (warum das auch immer so genannt wird).
Neue Farbschläge an Taiwan-Bees kosten auch mal locker 3-stellig und das für Tiere, denen bereits ein blosser Umzug zum Verhängnis werden kann.
Dagegen sind Diskus von geradezu brutaler Härte ;P

Ja es ist wie immer die Kombi aus Nachfrage, Chancen zur Vermehrung und Ergiebigkeit in der Vermehrungsrate.
Heute ist bei den Scheiben ja die Nachzucht einer Nachzucht recht leicht geworden. Bei Bees sieht das (noch) ganz anders aus.

Ich finde Bees auch recht spannend, sind aber für mich letztlich genauso schön anzusehen wie eine robuste und preiswerte Red Fire.
Solange Tiere von vielen als Trophäen angesehen werden wie ein aufgehängter Kadaver über dem Kamin, wird sich daran auch nichts ändern.
Habe selbst auch schon mal darüber nachgedacht, Bees auf Masse nachzuziehen. Ein- bis zweimal Nachwuchs bei einer erbfesten Red Wine und alle Kosten meiner aquaristischen Experimente der letzten Jahre wären bezahlt ;P

Ich denke nicht, dass der Peak hier schon erreicht ist. Aber spätestens wenn erbfeste Snow-Bees mit kreisrundem, roten Punkt auf dem Rücken Massenware werden, dürften auch hier die Preise in´s Bodenlose stürzen ;P

LG
Olli


 

Offline MikeSt

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Re: Der Diskus ist tot - es lebe der Diskus
« Antwort #28 am: 17-02-2012, 21:07:21 »
Hi Robert,

Da hast du mich aber gänzlich missverstanden. Es war eine allgemein gehaltene Erklärung aus meiner Sicht. Ich habe diese Zeit der Asiaten mitgemacht. Du auch?
Und wenn du den Qualitätsrückgang – auf breiter Masse gesehen – nicht erkennen kannst, dann hast du offensichtlich eine andere Betrachtungsweise.
Natürlich gibt es erstklassige Privatzüchter. Ihnen ist es zu verdanken, dass es noch gute Tiere gibt. Sie sind es im Übrigen, die aus dem Asiatenschrott gute Nachzuchten gemacht haben.
Darüber hinaus habe ich nicht behauptet, kommerzieller Züchter gewesen zu sein. Und Ambitionen dahingehend hatte ich nie.
Und auch meine Zucht hat zu besonders guten Zeiten maximal die Kosten gedeckt. Mehr wollte ich auch nicht.
Und die Frage, ob ich mich noch für Diskusfische interessiere...Nee. Ich schreibe aus Langeweile hier. Wenn es Kriterium sein sollte, Diskusfische auch aktuell zu haben, um hier ne Schreibberechtigung zu erhalten, dann muss man mir das mitteilen und ich widme mich anderen Dingen.

An Olli:

Auf der letzten Ausstellung und Duisburg hatten die Garnelen für 199 Euro. Ich kenn mich damit nicht aus. Aber das wären 10 Euro pro Millimeter gewesen. Schon irre...
 

Olli

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Re: Der Diskus ist tot - es lebe der Diskus
« Antwort #29 am: 17-02-2012, 21:23:02 »
Hey Mike,

ich denke Robert hat Dich da einfach missverstanden ;P

Aber EUR 199,00 ist schon krank ;P
Du brauchst zwar reichlich Zeit und auch etwas Glück um z.B. plötzlich in einem Wurf auftretende, neue Farbnuancen erbfest zu bekommen.
Aber letztlich ist das alles mit deutlich geringerem Zeit- und Geldaufwand zu bewerkstelligen als beim Diskus.

Man darf ja hierbei nicht vergessen, dass eine Garnele meist schon nach 2 Monaten geschlechtsreif ist. Und selbst wenn man berücksichtigt, dass die Vermehrungsrate bei Bees um ein vielfaches geringer ist als z.B. bei den Red Fire, schafft es ein erfahrener Züchter locker 3 Generationen einer Linie pro Jahr zu "produzieren".
Und das in Kaltwasser, geringsten Fütterungskosten und Nanobecken um 30 Liter (dafür sollten´s dann aber auch ein paar mehr sein  :happy:)

Wobei: In der Garnelenhaltung gibt es aktuell die selben Probleme mit bakteriellen Irritationen wie bei den Diskus.
Mit offensichtlich bereits existierenden Resistenzen gegenüber Antibiotika und der Motivation "parafrei".
Hier jetzt einen direkten Bezug zu Fernost-Diskus herzustellen ist natürlich rein spekulativ ;P

In diesem Zusammenhang lieber Gerhard Rahn:
Hast Du neue Erkenntnisse zu Parasiten bei Garnelen? Und nicht nur zu denen, die auch den Diskus als Wirt befallen sondern Erregern wie Scutariella?
Ich denke Deine Erfahrung in Bestimmung und Bekämpfung von Parasiten sollten für die Garnelenhalter von größtem Interesse sein.
Aber jetzt wird´s OT ;P

LG
Olli
 

 

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