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Diskussionsforen => Allgemeine Diskussionen / Probleme => Thema gestartet von: Norbert Koch am 22-05-2015, 08:23:02

Titel: Frage an die Wasserchemiker
Beitrag von: Norbert Koch am 22-05-2015, 08:23:02
Hallo zusammen,

gestern war bei uns Großbaustelle: Ein Nachbar hat unseren Brunnen "reanimiert".

Das Ganze wurde mit dem Lufthebeverfahren realisiert - erstaunlich, was Luft so alles bewegen kann... :hmm:

Auf 24 m haben wir nun unseren Filter sitzen, insgesamt sind wir 3,2 m tief in der wasserführenden Schicht. Das Wasser ist schön klar, hat aber Werte, die ich angesichts unseres Leitungswasser nicht verstehe:
Wasserwerte Grundwasser 22.05.2015, 07:45 Uhr, 11,8° C:
Leitwert 501 mS
pH 7.5
GH 7°
KH 8°
NO2 0 mg/l
NO3 0 mg/l

Unser Leitungswasser (der Wasserversorger fördert es in knapp 8 km Entfernung) hat eine KH von 1,5° und eine GH von 4°. Die höhere Mineralisierung im eigentlich identischen Fördergebiet erstaunt mich!

Es war sehr interessant, die unterschiedlichen Schichten unter unseren Füssen kennenzulernen:
0 - 0,5 m Mutterboden mit Humus
0,5 - 0,8 m gelber Sand
0,8 - 1,5 m Mergel
dann jeweils eine dünne Schicht brauner und grauer Lehm
2 - 8 m Mergel mit gröberem Splitt (1 - 1,5 cm Korngröße)
8 - 18 m grauer Sand
18 - 22 m Sand, Kies und Kohlestückchen
22 - 26 m Kies (0,2 - 1 cm Korngröße)
Titel: Re: Frage an die Wasserchemiker
Beitrag von: Jörg Gottwald am 22-05-2015, 08:48:37
Hallo Nobby
warte doch erst einmal ab, wie sich die Werte entwickeln. Im Augenblick pumpt ihr ja nur einfach gesagt, das "stehende" Wasser ab. Wenn dies abgepumpt worden ist, dann läuft ja Wasser von allen Seiten nach.
mfg
jörg
Titel: Re: Frage an die Wasserchemiker
Beitrag von: Peter L. am 22-05-2015, 08:56:47
Hallo Norbert,

wie tief ist denn der Brunnen vom Wasserversorger?
Titel: Re: Frage an die Wasserchemiker
Beitrag von: Norbert Koch am 22-05-2015, 09:00:20
Hallo Jörg,

momentan sind etwa 24.000 l geflossen (seit gestern mittag läuft eine Pumpe mit 33 l/min. - bin mal gespannt, ob sich da tatsächlich noch was ändert.

Hallo Peter,

weiß ich leider nicht, aber das Fördern aus einer anderen (tieferen) Schicht wäre wohl eine logische Erklärung.

Es soll ja eigentlich auch nur zum Gießen sein; insofern kann ich nicht klagen: Pflanzen brauchen ja auch Mineralstoffe...

Nachtrag:
Hab grade mal nachgesehen: Die fördern aus 60 - 100 m Tiefe.
Titel: Re: Frage an die Wasserchemiker
Beitrag von: Peter L. am 22-05-2015, 22:56:04
Hallo Norbert,

Zitat
Hab grade mal nachgesehen: Die fördern aus 60 - 100 m Tiefe.

Da musst du wohl noch ein wenig tiefer bohren aber Vorsicht, in der Nordsee gibt es auch Öl, nicht das du mit Shell und Co. noch Probleme bekommst..... :optimist:


Titel: Re: Frage an die Wasserchemiker
Beitrag von: Norbert Koch am 22-05-2015, 23:00:48
Hallo Peter,

nö, alles gut!

Ich hab ja gutes und sehr preiswertes Leitungswasser. Das Brunnenwasser ist nur zum Gießen gedacht. Hab's aus purer Neugierde gemessen und mich halt gewundert...
Titel: Re: Frage an die Wasserchemiker
Beitrag von: Peter L. am 23-05-2015, 08:18:46
Hallo Norbert,

bei den gemessenen Werte vom Brunnenwasser würde ich überlegen, es auch für die Fische zu verwenden. Ist bei Euch keine Landwirtschaft, im Sinne von Agrarflächen die auch mal gedüngt werden?

Silikatgehalt wäre noch interessant?

Mal ne andere Frage, weißt du was mit Tu ist, der hat doch bei Euch oben gewohnt?
Titel: Re: Frage an die Wasserchemiker
Beitrag von: Norbert Koch am 23-05-2015, 09:03:30
Hallo Peter,

unser Leitungswasser hat eindeutig bessere Werte:
pH 7.8
Leitwert 183 mS
1,5° KH
4° GH
NO2 0 mg/l
NO3 0 mg/l
und kostet nach der Preiserhöhung zum Jahresbeginn inkl. der umgelegten Kosten für die Überprüfungen der Hauskläranlage 0,92 € pro Kubikmeter.

Warum sollte ich also das härtere Brunnenwasser verwenden?

Bei uns wird exzessive Milchvieh-Landwirtschaft betrieben. An manchen Tagen riecht man es förmlich, wenn man in Ostfriesland ist. Die umliegenden Wiesen und Maisfelder bekommen i.d.R. zwei mal pro Jahr Gülle oder Mist verpasst.
Durch das relativ flache Oberflächenwasser (ca. 1,5 - 3 m) wird das tiefere Wasser aber anscheinend ganz gut vor Nitrat und Co. geschützt.
Pestizide sind hier glücklicherweise kein Problem: Hier wird nicht gespritzt; auch Kunstdünger ist eher ein Fremdwort...

Tu wohnt in oder bei Bremen. Ich habe von ihm bereits längere Zeit nichts gelesen (weder hier noch an anderer Stelle). Daher kann ich Dir leider nichts über ihn berichten.
Titel: Re: Frage an die Wasserchemiker
Beitrag von: Peter L. am 23-05-2015, 13:12:51
Hallo Norbert,

ok, bei dem Preis, hier in Augsburg kostet der m^3 über 3 € und unser Wasser ist bei weitem nicht so gut.

Hohe Nitrat - und Phosphatwerte sind bei uns die Regel, daher verwende ich nur Osmosewasser und geb ab und zu einen Löffel Mineralsalz ins Becken.

Deutschland kostet die Nitratentfernung aus dem Trinkwasser jährlich über 1 Milliarde Euro, wir alle zahlen das billige Schweinefleisch, Stichwort Massentierhaltung, über die Wasserkosten. :O:
Titel: Re: Frage an die Wasserchemiker
Beitrag von: Jörch am 23-05-2015, 21:04:39
Hallo zusammen,
wir haben neben dem Haus einen ca. 5m tiefen Schacht, der mit Betonringen ausgekleidet ist und man kann ich auf rostigen Metallbügeln hinabsteigen. In diesen Schacht läuft das Wasser welches vom Dach und aus der Drainage kommt, es ist also kein Brunnen wie bei Norbert.
Das Wasser verwenden wir nur zur Bewässerung des Gartens. Hier die Werte:
PH 7
KH 14
GH über 20
NO3 und NO2 bei 0
FE 0
PO4 0,25 mg/l
NH4 0,5 mg/l
CU 0
Also zum Autowaschen kann man es nicht nutzen, das gibt Kalkflecken.......
Wie kann ich den GH und KH Wert so senken das man das Wasser für die Aquaristik verwenden kann?
Und macht das überhaupt Sinn  um Wasserkosten zu sparen?
Danke
Viele Grüße
Jörg
Titel: Re: Frage an die Wasserchemiker
Beitrag von: Norbert Koch am 23-05-2015, 21:30:13
Hallo Jörg,

vergiß es am Besten gleich wieder!

Dieses Wasser diskustauglich zu bekommen ist imho zu aufwändig und dementsprechend teuer.

Du müsstest neben der Wasserhärte (Strom und Osmosemembrane) auch Phosphat und Ammoniak entfernen und Keime entfernen. Dazu käme dann noch die Ungewissheit, was über den Regen an für uns nicht messbaren Stoffen aus der Luft gewaschen wurde.

Eine Anlage zur Aufbereitung dieses Wassers würde aus mindestens einem Kohkeblockfilter mit Keimsperre, einem leistungsstarken UV-C-Brenner zur Entkeimung, einem nachgeschalteten Sedimentfilter, einer Umkehrosmoseanlage und einem Phosphatfilter bestehen. Filtermaterialien und Energiekosten für Pumpen und den UV-C-Brenner würden vermutlich mehr kosten als das Abwasser, dass Du beim Einsatz einer Osmoseanlage für das Enthärten vom Leitungswasser verwerfen würdest.
Titel: Re: Frage an die Wasserchemiker
Beitrag von: Jörch am 23-05-2015, 21:45:55
Ups, ja das habe ich mir schon gedacht.....
Hab's schon wieder vergessen, ein eigenes Klärwerk will ich mir dann doch nicht bauen.
Danke und viele Grüße aus Lünen
Jörg