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Diskussionsforen => Allgemeine Diskussionen / Probleme => Thema gestartet von: Horst am 20-03-2011, 10:39:19

Titel: Einen Ausflug in die Mikrobiologie
Beitrag von: Horst am 20-03-2011, 10:39:19
Hallo und guten Morgen Zusammen  :wink: ,

ich möchte nun gerne mal ein Thema eröffnen bzw anreißen , in dem ich mich zugegebenermaßen nicht und noch weniger auskenne . Ich bin mehr der praktisch veranlagte Mensch und muß mich jetzt outen , daß ich zu dieser Materie keinen Bezug habe --- ich kann es halt nicht anfassen und (be)greifen ---  :o  .

Es handelt sich um die Aerobien und Anerobien .

Wir hatten in den letzten Tagen einige Treads , wo diese Bakterieren-arten schon zum Thema wurden - zum einen die Stillstandzeit des Filters und die Wassertemperatur und damit der Sauerstoffgehaltes des Wassers . Ich habe dann versucht , mir einige Infos darüber zu erhaschen und im WWW mich noch etwas weiterzubilden , aber das ich bei einem Versuch geblieben ---  da muß man ja tatsächlich für studieren  :zwinker:  .

Was mich nun erstmal akut und speziell interessieren würde , in wieweit sind die ganzen Bakterien und Mikroorganismen temperaturabhängig , um ihre Arbeit optimal zu verrichten ???

Da der Sauerstoffgehalt bei höheren Temperaturen ja bekanntlicherweise sinkt , sind dann die Anaerobien nicht mehr so aktiv ?
Mir ist das aufgefallen , daß ich in meinem Filterbecken etwa 1,5-2° Grad höhere Temperatur habe , als in meinem Aquarium .

Ist die Arbeitsweise in unserem Diskusbecken bei 28-29° eine andere , wie z.B. in einem Labyrintherbecken bei ca 25-26° oder gar in einem Goldfischaquarium bei 18-22° Grad ?

Ich wünsche allen noch einen schönen und sonnigen Sonntag .
Titel: Re:Einen Ausflug in die Mikrobiologie
Beitrag von: Robert B am 20-03-2011, 11:52:48
Hallo Horst,

das ist in der Tat ein komplexes Thema, das man auch nicht mal eben so abhandeln kann.

Es gibt ja unzählige verschiedene Bakterienarten, je nach den herrschenden Gegebenheiten (z.B. Nährstoffkonzentration, pH-Wert, Temperatur, Strömung, Sauerstoffgehalt, usw. usw.) werden sich diejenigen bevorzugt ansiedeln, die damit am besten klar kommen.

http://www.aquacare.de/info/veroeff/bak2_nf/bak2_nf.htm

Der Unterschied von 25-26 °C zu 28-29 °C ist so gering dass damit kein Bakterium Probleme haben sollten.

Die anaeroben Bakterien brauchen keinen Sauerstoff, für sie ist er sogar giftig. Was du meinst sind die aeroben Bakterien und die sind in der Tat umso aktiver je höher der Sauerstoffgehalt ist. Die Höhe des Sauerstoffgehaltes ist nicht nur temperaturabhängig sondern hängt auch stark vom Sauerstoffverbrauch und -zufuhr ab.
Generell halte ich es daher für eine gute Idee das Filterbecken zu belüften, auch zwischendrin, da die Bakterien ja viel Sauerstoff verbrauchen.

Noch ein Wort zum oft genannten geringeren Sauerstoffgehalt bei höheren Temperaturen. Der Unterschied in der Sauerstoffsättigung ist geringer als oftmals vermuten (25 °C = 8,1 mg/L, 28 °C = 7,8 mg/L, 30 °C = 7,5 mg/L). Allerdings ist der Sauerstoffverbrauch bei höheren Temperaturen größer und daher muß bei höheren Temperaturen stärker belüftet werden.

Titel: Re:Einen Ausflug in die Mikrobiologie
Beitrag von: Ditmar am 20-03-2011, 12:28:41
Hallo Horst , Robert :wink:

Bin da wohl wie Horst gestrickt.

Aber Thema ist tatsächlich sehr interessant.
Zum Beispiel die Positionierung der Heizung im Filter egal ob Topf , Filterbecken oder Biofilter hinter der Rückwand.
Im Umfeld der Heizung wird es schon richtig warm und das umso mehr je geringer die Strömung ist.
Meinen Titanheizer halte ich nicht allzulange in der Hand wenn er läuft.
Damit stellt sich die Frage bei welcher Temperatur vernichte ich die Bakterienkulturen.
Natürlich sollte man die Heizung wegen der Effizients in der größtmöglichen Strömung positioniert haben.
Ist allerdings manchmal nicht möglich bzw. wird darüber nicht nachgedacht.
Bei großen Filterbecken oder Biofilter wäre wohl die Klarkammer der beste Platz.
Titel: Re:Einen Ausflug in die Mikrobiologie
Beitrag von: Horst am 20-03-2011, 13:52:01
Hallo Robert ,

daß man dieses komplexe Thema nicht einfach mal eben abhandeln kann , da bin ich völlig Deiner Meinung . Es gibt dazu -zig tausend Seiten im Netz , bei denen ich unweigerlich ins Schleudern gerate , es sind mir einfach ein zu trockener Stoff - wobei es sich eigentlich um Wasser handelt .

Nein , aber Spaß beiseite , vielen Dank erstmal für den Link , ich habe ihn kurz überflogen und da werde ich mir mal die Zeit gönnen , um mich weiterzubilden .

In meinem Filterbecken habe ich in der mittleren Kammer einen Ausströmer installiert , weil ich schon öfters davon gelesen hatte . Und ich dachte , damit machst Du nichts verkehrt , jetzt hat er aber seine Daseinsberechtigung und eine positive Wirkung .
Titel: Re:Einen Ausflug in die Mikrobiologie
Beitrag von: André F. am 20-03-2011, 14:06:23
Hallo ihr lieben,
und Moin Horst  :wink:

ich hoffe, dass ich meine kleine Frage hier kurz anschneiden kann...
Wenn das nicht geht, verschiebt das Thema einfach...

Ich beobachte seid 4 Wochen wie sich die Farbe und Zusammensetzung meines Innenfilter verändert. siehe Fotos
Warum verändert sich die Farbe? Ganz einfach, ich habe 3 Schieferplatten entfernt, als mein Becken vor kurzem komplett umgebaut wurde.

Die Frage ist nun unteranderem, soll ich die Filterkammer wieder abdunkeln oder schadet das Licht den Bakterien nicht.???

Auf der Licht Seite wird die Farbe braun und grün immer mehr.
Auf der Dunkeln Seite sind die Normal gefärbt.

Gibt es eigentlich Fachliteratur über Bakterien im einzelnen die in unseren Aq vorkommen? oder auch nicht vorkommen sollten?


Titel: Re:Einen Ausflug in die Mikrobiologie
Beitrag von: Robert B am 20-03-2011, 14:24:59
Hallo Horst,

wenn du noch Fragen hast, nur her damit, was ich beantworten kann das beantworte ich gern. Das wichtigste ist die Bakterien und die sonstige Mikroflora keinen drastischen Schwankungen auszusetzen dann klappt das schon alles.

Gruß,
Robert
Titel: Re:Einen Ausflug in die Mikrobiologie
Beitrag von: Robert B am 20-03-2011, 14:26:17
Hallo Andre,

das werden ganz einfach Algen sein. Wenn es dich optisch nicht stört, die Bakterien wird das nicht stören, eher im Gegenteil.

Gruß,
Robert
Titel: Re:Einen Ausflug in die Mikrobiologie
Beitrag von: André F. am 20-03-2011, 14:37:13
Moin Robert,


"Licht

Licht wirkt bei schon niedrigen Intensitäten oxidations- und damit auch wachstumshemmend auf Nitrifikanten. Dabei reagiert im allgemeinen Nitrobacter (Nitritoxidant) empfindlicher auf den Lichteinfluß als Nitrosomonas (Ammoniakoxidant). Grund dafür ist das Fehlen von Carotinoiden (lichtabsorbierende Pigmente), die die Cytochrome (Komponenten des Elektronentransport- und Phosphorylierungssystems) vor Photooxidation schützen. Der Gehalt an Cytochromen in den Nitrifikanten ist 10mal so hoch wie in heterotrophen Mikroorganismen. Der Grad der Schädigung hängt ab von Lichtstärke (schon bei 420 Lux kann eine völlige Hemmung der Ammoniakoxidation von Nitrosomonas eintreten), Wellenlänge (vor allem kurzwelliges UV-Licht), Einstrahlungsdauer, Alter der Zellen, Sauerstoffkonzentration, Substratart, Konzentration organischer Stoffe und vom Organismenstamm. Wichtig für den Aquarianer ist, daß er beim Kauf von Filtersystemen darauf achtet, daß diese lichtundurchlässig sind oder im Dunklen aufgestellt werden."

Bedeute das, ich sollte schnell die Schieferplatten wieder anbringen?

420 Lux ist nicht viel.....  :-[




Titel: Re:Einen Ausflug in die Mikrobiologie
Beitrag von: André F. am 20-03-2011, 14:40:39
Moin Robert,

also ist das für uns "bißchen Röhren Licht" nicht so von Bedeutung.

oder anders, wenn der Filter direktes Sonnenlicht im Hochsommer 80.000-110.000 Lux abbekommt, ist das tödlich?
Wobei zwischen draußen und Filter auch noch 3 Glasscheiben sind. Dahinter dürfte es mit der UV Strahlung dünn aussehen ;)

Robert, ich kenne dich auch aus anderen Foren, deine fachliche Kompetenz ist beeindruckend und beängstigend  :old02:

Was machst du eigentlich beruflich???
Du hast doch bestimmt den ganzen Tag Chemie Themen auf deinem Tisch bzw vor deinem Auge oder?  ;)

Titel: Re:Einen Ausflug in die Mikrobiologie
Beitrag von: Robert B am 20-03-2011, 15:06:55
Hallo Andre,

ich hatte dich so verstanden dass nur an einer Seite etwas Licht von der Aqarienbeleuchtung dran kommt. Das schadet nach meiner Erfahrung nicht. Die meisten Bakterien sind ja im Inneren des Filtermaterials und damit vor Licht geschützt.
Möglicherweise sieht es bei vollem Sonnenlicht anders aus, aber da habe ich noch keine direkt vergleichbaren Erfahrungen gesammelt.
Allerdings, in Becken mit Wasserflöhen oder Artemien in der prallen Sonne habe ich auch noch nie Ammonium oder Nitrit gemessen - kann aber sein dass da die Algen diese Stoffe aufnehmen.

Gruß,
Robert
Titel: Re:Einen Ausflug in die Mikrobiologie
Beitrag von: André F. am 20-03-2011, 15:13:14
Hallo Robert,

ja, so ist es auch!

Das Becken steht 2 Meter von der Südfensterbank entfernt. Ich habe immer die Rollos halb oder ganz geschlossen wenn die Sonne scheint !
Algen wachsen ja bekanntlich auch ganz gerne bei viel Licht ;)
Ich will es lieber nicht riskieren und werde mir die Schieferplatten oder was anders davor machen.

Danke dir, ...

Titel: Re:Einen Ausflug in die Mikrobiologie
Beitrag von: Horst am 20-03-2011, 20:28:06
Hallo Robert ,

könnte man pauschal sagen , welche Bakterien - die aeroben oder die anaeroben - wichtiger sind ?

Ich durchlüfte ja die mittlere Kammer im Filterbecken . Wäre es sinnvoll , wenn man das Filterbecken in irgendeiner Art und Weise anders konstruiert , um den anaeroben Kollegen auch eine Ecke zu bieten , wo kaum Sauerstoff ist ?

Man oh man , ich sehe schon , das ist alles nicht so einfach . Da spielen so viele Faktoren eine Rolle , seien es die Wasserwerte im Allgemeinen , die Strömungsverhältnisse , die Temperatur und sogar das Licht .

Es ist echt ein super interessantes Thema , und man lernt im " Alter " noch nicht aus , aber wer weiß , ob ich es irgendwann vielleicht nochmal brauchen kann .  :zwinker:
Titel: Re:Einen Ausflug in die Mikrobiologie
Beitrag von: Robert B am 20-03-2011, 21:27:12
Hallo Horst,

ja kann man. Im Aqarium sind die aeroben Bakterien die wichtigsten, sozusagen die Basis ohne die nichts geht. Wie gesagt dass sind zig verschiedene Bakterienarten die ganz verschiedene Aufgaben erfüllen, z.B. Abbau von organischen Verbindungen und Nitritifikation (in 2 Schritten durch 2 verschiedene Bakterienarten).
Das wichtigste sind ausreichend Sauerstoff, ein geignetes hochporöses Substrat und keine extreme hohe Strömung. Um den Rest muß man sich keine großen Gedanken machen, das regeln die Bakterien schon. Deine Belüftung mitten im Filterbecken halte ich für eine empfehlenswerte Maßnahme.

Die anaeroben Bakterien können ebenfalls eine wichtige Rolle spielen, insbesondere bei der Denitrifizierung, aber diese Vorgänge sind im Aquarium schwierig zu kontrollieren, es können auch giftige Stoffe, wie Nitrit und Schwefelwasserstoff entstehen.
Wenn man sowas machen will, um Nitrat zu reduzieren, dann sollte man das IMO am besten in speziell dafür ausgelegten Filtern unter Redoxsteuerung machen, z.B. Wodkafilter oder Schwefelnitratfilter.
Natürlich laufen denitrifizierende Vorgänge im kleinen Massstab aber auch im normalen Aquarium ab, z.B. im Bodengrund oder in tieferen sauerstoffärmeren Filterschichten.

Gruß,
Robert
Titel: Re:Einen Ausflug in die Mikrobiologie
Beitrag von: Horst am 20-03-2011, 21:48:14
Hallo Robert ,

ich hatte mal einen Versuch gestartet um das Nitrat ein wenig aus dem Wasser zu ziehen . Dabei habe ich mir ein paar Blumenkästen hintereinander gebastelt , diese mit Seramis bestückt und mit Efeututen eingepflanzt , das ganze wurde mit einer kleinen Tauchpumpe aus dem Aquarium durchspült . Leider sind mir die Pflanzen dabei eingegangen bzw nicht angekommen . Da ich aber einen Nitratgehat von 18-20mg/L sowieso nur im Becken habe , hatte ich den Versuch wieder eingestellt .

Die gleichbleibenden Wasserwerte , die zur guten Arbeitsweise der Bakterien beitragen , so wie Du schon geschrieben hast , erreichte ich meiner Meinung nach schon durch meine regelmäßigen Wasserwechsel alle 2-3 Tage mit etwa 30% Wasservolumen .
Titel: Re:Einen Ausflug in die Mikrobiologie
Beitrag von: Ditmar am 21-03-2011, 06:32:18
Hallo Horst , Robert :wink:

Da die Bakterien in erster Linie einen Träger brauchen nämlich Filtermasse bzw. Boden würde ich den engen ( 2-3Tage ) Wasserwechselzyklus nicht so hoch bewerten.
Voraussetzung ist das beim Wöchentlichen Wasserwechsel die Wasserwerte nicht zu stark schwanken.
Man aber mehr Wasser auf einmal tauschen kann.

Das wäre wieder ein Thema bei dem die Meinungen auseinander gehen.
Wenn bei einem Wöchentlichen Wasserwechsel die Wasserwerte sich nicht wesentlich verändern ist dann ein Täglicher Wasserwechsel mit dem Bruchteil der Wochenmenge besser für den Mineralaustausch als die selbe Menge einmal in der Woche.
Titel: Re:Einen Ausflug in die Mikrobiologie
Beitrag von: Uli am 21-03-2011, 14:26:42
Hallo Zusammen,

ein sehr interessantes Thema. Leider verstehe ich da auch nicht soviel davon.

Habe jetzt auch gerade mal mit dem Buch von Krause angefangen mich einzulesen.

Aber ich hätte da mal eine Frage an Horst oder Robert, ich habe gelesen, dass Horst seinen Sauerstoffauströmer in der Mittelkammer seines Filterbeckens hat und das dies ein idealer Standort ist.
Warum ?
Ich habe einen 5Kammer Innenfilter. Die Klarkammer ist in der Mitte. Könnte ich sowas auch tun ? Ich würde gerne meine Durchströmung der Filterkammern reduzieren, aber dann hätte ich Sauerstoffmangel. Verhindert solch eine Maßnahme den Sauerstoffmangel ?

Gruß
Ulrike
Titel: Re:Einen Ausflug in die Mikrobiologie
Beitrag von: Robert B am 21-03-2011, 19:51:42
Hallo Ulrike,

die Klarwasserkammer wird doch als letztes durchlaufen, oder? Dann bringt ein Belüften dort den Bakterien nichts mehr. Ich würde mal den Sauerstoffgehalt am Filterausgang messen, ob es überhaupt nötig, ist zu belüften. Falls ja könnte ein Belüften der zweiten Kammer sinnvoll sein, da die erste vermutlich aufgrund der stärksten Belastung am meisten Sauerstoff zehrt.

Gruß,
Robert
Titel: Re:Einen Ausflug in die Mikrobiologie
Beitrag von: Horst am 21-03-2011, 23:02:00
Hallo Ditmar   :wink: ,

mein Zyklus beim Wasserwechseln hat sich bei mir folgendermaßen ergeben . Das erste halbe Jahr habe ich auch einen 50%igen Wasserwechsel pro Woche gemacht und dann wurde es höchste Zeit dafür . Das haben mir meine Fische angezeigt mit Unwohlsein und erhöhter Atemfrequenz , das kann natürlich auch mit dem Bodengrund zu tun gehabt haben . Zu der Zeit hatte ich noch relativ groben Bodengrund im Becken und wahrscheinlich waren die Futterreste auch mit Schuld am Verhalten meiner Fische .

Nachdem ich dann auf Sand umgestellt habe , und ich sehen konnte , daß ich doch reichlich füttere , habe ich alle paar Tage ordentlich gemulmt und Wasser gewechselt . Mittlerweile habe ich ja meine Kompanie von Ringelhändern , die mir kaum mehr die Möglichkeit geben , etwas zu entdecken , was ich absaugen könnte .

Nun mache ich eigentlich nur noch Wasserwechsel und gebe noch etwas Mineralien bei , und meine Fische danken es mir mit ihrem Verhalten und Gesundheit . Ich würde lieber jeden Tag etwa 10% wechseln , aber da fehlt mir manchmal die Zeit dafür .
Titel: Re:Einen Ausflug in die Mikrobiologie
Beitrag von: Robert B am 21-03-2011, 23:36:51
Hallo Horst,

ich denke du machst das genau richtig. Besser öfters kleinere Mengen als einmal eine große. Ein großer Wasserwechsel (50% oder mehr) nach 1 Woche ist immer mit starken Schwankungen verbunden, egal ob die paar messbaren Werte einigermassen konstant bleiben oder nicht.
Ich merke das gerade wieder an einem kranken - und daher besonders empfindlichen - Diskus den ich extra habe. Den 50% Wasserwechsel (gleiches Wasser wie im großen Becken und da war alles okay) vorletztes Wochenende hat er überhaupt nicht gemocht. Jetzt wechsel ich jeden Tag 10% das stört ihn nicht.

Eine Efeutute habe ich auch mal längere Zeit über meinem Welsbecken gehabt, das hat ganz gut geklappt, aber bei dem Nitratgehalt brauchst du überhaupt nichts zu machen und bestimmt nicht über biologische Nitratfilter nachdenken.

Gruß,
Robert
Titel: Re:Einen Ausflug in die Mikrobiologie
Beitrag von: Ditmar am 22-03-2011, 06:50:46
Hallo Robert , Horst :wink:

Es leuchtet mir schon ein das 10% pro Tag für den Diskus bei guter Wasserqualität schonender ist als 70% pro Woche.
Mein Wasserwechsel ist rein Messtechnisch mit 50% - 70% pro Woche zuviel.
Messen kann ich außer der gestiegenen Leitfähigkeit von 10% nach einem Urlaub von 14 Tagen auch nichts anderes als bei einem Wöchentlichem Wechsel.

Da bedeutet zuerst einmal das mein Verhältnis Besatz zu Wasser und Filter ausgeglichen scheint.
Das da noch einiges mehr im Wasser ist was das wohlbefinden des Diskus beeinflusst ist mir absolut bewusst.
Daher mache ich ja Wöchentlich meinen Wasserwechsel und mache ihn eben nicht nur von den Messergebnissen abhängig.

Umso verwirrter bin ich wenn ich von dem BTN Becken höre das mit 10/10 Diskus und Altum schon 4Jahre ohne Wasserwechsel laufen soll und die Diskus Junge bis zum freischwimmen bringen.
200x80/72x60 ca. 900 Liter Brutto inklusive 200Liter Biofilter mit Eheim 3000 Filterpumpe.
Lediglich bis zu 20Liter bei der Vorfilterreinigung in der Schlammkammer des Biofilters hinter der 2m BTN werden Wöchentlich gewechselt.
Na ich bin mal gespannt wenn mein neues Becken eingelaufen ist.
Ich rechen mit mindestens mit einem halben Jahr.
Mein Wöchentlichen Wasserwechsel werde ich natürlich weitermachen da ich nun schon Jahre keine Probleme mehr habe stellt sich mir die Frage ob ich den Wasserwechsel wirklich öfter als einmal die Woche machen soll oder es bei einmal belassen sollte.
Titel: Re:Einen Ausflug in die Mikrobiologie
Beitrag von: Horst am 02-04-2011, 09:28:00
Hallo und guten Morgen Zusammen ,

ich muß ganz ehrlich gestehen , daß ich mein Wissen im Bezug auf die Bakterien noch nicht wirklich erweitert habe .

Nun bin ich in den letzten Tagen aber um einiges verwirrter , da seit ein paar Tagen in verschiedenen Treads das Thema " Brottrunk " ( von Roland im Selbstversuch und von Tu in der Futterzubreitung ) behandelt wird .

Jetzt stellt sich bei mir die Frage , wir versuchen doch im Prinzip die Keimzahl im Wasser relativ niedrig zu halten , sei es durch gute Wasserhygiene mit regelmäßigen Wasserwechseln , mit nicht zu überbesetzten Aquarien , durch kontrollierte Fütterung oder durch gute und ausreichende Filterung . Manche von uns betreiben auch UVC-Klärer , um den Keimdruck nicht zu hoch zu haben .

Nun lese ich aber daß durch die Zugabe von Milchsäure-Bakterien die organische Belastung des Wassers gewollt wieder erhöht wird , und das kann ich irgendwie nicht ganz nachvollziehen . Das die Bakterien ein Substrat brauchen , auf dem sie sich ansiedeln können , sei es Filtermaterial , Bodengrund , Pflanzen oder sonstwas , hätte ich die Befürchtung , bei zu vielen  Bakterien , die da so rumschwirren , könnte es wieder zu Problemen kommen .

Wie schon geschrieben , ich habe da ein " Problem " mit , daß ich die Kameraden nicht sehen kann und ich ihre genaue Funktion somit nicht nachvollziehen kann . Vielleicht habt ihr für einen " dummen " Handwerker und praktisch veranlagten Menschen eine Idee  :old01: , wie ich das nachvollziehen kann .

Ich wünsche allen ein schönes und sonniges Wochenende .
Titel: Re:Einen Ausflug in die Mikrobiologie
Beitrag von: Robert B am 02-04-2011, 10:26:48
Hallo Horst,

wie bereits anderweitig geschrieben halte ich das für Humbug!

Vor allem kippt man bei Brottrunk ja nicht nur Bakterien ins Wasser sondern eine Vielzahl von Nährstoffen, wie Eiweiße und Kohlenhydrate, die eine zusätzliche Bakterienvermehrung und zusätzlichen Sauerstoffverbrauch bedeuten.
Hintergrund ist vermutlich der Gedanke "gute" Bakterien ins Aquarium zu bekommen. Einen ähnlichen etwas wissenschaftlicheren Ansatz verfolgt auch EM (Effektive Mikroorganismen). hauptsächlich in der Landwirtschaft aber von einigen auch im Aquarium angewandt.

Wenn das Aquarium eingefahren ist und im Gleichgewicht läuft sehe ich da keine Vorteile, ganz im Gegenteil. Einzig die Zufuhr von Spurenelementen würde ich positiv sehen, aber das läßt sich auch anders bewerkstelligen.
Als Einfahrhilfe oder wenn ein Aquarium total aus dem Gleichgewicht ist kann es möglicherweise hilfreich sein.

Brottrunk im Futter ist eine ganz andere Geschichte - da kann ich mir positive Wirkungen gut vorstellen.

Gruß,
Robert

Titel: Re:Einen Ausflug in die Mikrobiologie
Beitrag von: Horst am 03-04-2011, 21:53:10
Hallo Robert  ,

vielen Dank für Deine Ausführung , soetwas habe ich mir auch schon fast gedacht . Warum sollte man in ein gut funktionierendes Biotop noch zusätzlich Bakterien zugeben .

Mit der Beimischung im Futter könnte ich mir auch eine positive Wirkung auf die Darmflora vorstellen . Da ich mein Futter aber nicht ( oder noch nicht ) selber herstelle , benötige ich den ( das ? ) Brottrunk nicht .
Titel: Re:Einen Ausflug in die Mikrobiologie
Beitrag von: Ditmar am 04-04-2011, 07:27:15
Hallo Horst , Robert :wink:

Ich lese diesen Bericht auch mit relativ wenig Basiswissen.
Möchte mich daher auf diesem Wege bei Robert für seine leicht verständliche Art wie er uns alten sein Wissen rüberbringt bedanken.
Das Problem ist wenn man das Wissen nicht hat neigt man gerne auf solche Wundermittel reinzufallen.
Wenn es dann den Tieren nicht schlechter geht neigt man dazu dieses Wundermittel anzuerkennen und auch weiter zu verbreiten.

Ich als Techniker und Zahlenfreak brauche logische zusammenhänge sonst werde ich ziemlich schnell Misstrauisch und lehne daher viele sogenannte Wundermittel ( Medis ) ab.
Daher nochmals vielen Dank Robert für deine Erläuterungen langsam fange ich an einige Zusammenhänge zu verstehen bin aber noch meilenweit von deinem Wissen auf diesem Gebiet weg.